29.02.2008
Pressemitteilung
Kim-Astrid Magister, Pressestelle
Technische Universität Dresden
Warum
werden manche Raucher rückfällig und andere nicht? Beobachtung
der Raucherentwöhnung soll Ergebnisse verbessern.
Wissenschaftler der
Raucherambulanz des Instituts für Klinische Psychologie und
Psychotherapie der TUD und des Universitätsklinikums forschen
seit einiger Zeit gemeinsam in einem Kompetenznetzwerk, um die
Raucherentwöhnung weiter zu verbessern.
.Die Gewichtszunahme und der Rückfall nach dem Ende der Behandlung
sind für einige Raucher ein erhebliches Problem, wenn sie an
einer Raucherentwöhnung teilnehmen. In zwei Forschungsprojekten
werden die Ursachen für diese Probleme untersucht, um die Behandlungsprogramme
besser als bisher gestalten zu können.
Studie 1 befasst sich mit der Gewichtszunahme
Nach fünf Jahren, so eine andere Studie, bringen etwa jede fünfte
Ex-Raucherin und jeder zwölfte Ex-Raucher mindestens 20 Prozent
mehr auf die Waage als vor dem Nikotinentzug. Viele ehemalige
Raucher führen diese Effekte auf ein spürbar gesteigertes Appetitgefühl
zurück, das sie deutlich mehr essen lässt. Das motiviert viele
abstinente Raucher, wieder zur Zigarette zu greifen, um nicht
dick zu werden. Auch ist diese Problematik für viele ein Grund,
eine Entwöhnung vom Tabak gar nicht erst zu versuchen. Das im
Januar gestartete Forschungsvorhaben soll Erkenntnisse liefern,
wie sich künftig die Gefahr einer Gewichtszunahme bei einer
Raucherentwöhnung senken oder ausschließen lässt.
Studie 2 untersucht mögliche Faktoren, die das Risiko für einen
Rückfall erhöhen.
Bis heute besteht das Problem, dass ein Teil der Teilnehmer
an Raucherentwöhnungs-programmen zwar Abstinenz erreicht, aber
nach einiger Zeit wieder rückfällig wird. Die genauen Ursachen
dafür sind wenig erforscht. Die Studie soll mögliche Faktoren
für Erfolg und Misserfolg untersuchen, um darauf aufbauend die
Raucherentwöhnungs-maßnahmen durch individuellere Gestaltung
verbessern zu helfen.
Im Rahmen beider Studien ist die Untersuchung von 200 Raucherinnen
und Rauchern vor und nach dem Rauchstopp sowie drei beziehungsweise
sechs Monate danach vorgesehen. Dazu bieten die Wissenschaftler
in Zusammenarbeit mit der Raucherambulanz der TU Dresden eine
Entwöhnungsbehandlung an. Dieser Kurs basiert auf dem Rauchfrei-Therapieprogramm,
dessen gute Erfolgsquote wissenschaftlich belegt ist. Teilnehmer
des Programms zeigen zehnfach höhere Erfolgschancen als im "Alleinversuch".
Die Relevanz für Tabak-Abstinenz liegt auf der Hand. Auch nach
vielen Jahren des Rauchens mindert eine Entwöhnung die gesundheitliche
Belastung deutlich.
Nach einer britischen Studie verliert jeder Raucher statistisch
gesehen zehn Jahre seines Lebens. Doch für einen Rauchstopp
ist es nie zu spät: so kann ein 40jähriger, der mit dem Rauchen
aufhört, im Durchschnitt neun Jahre an Lebenserwartung zurückgewinnen.
Wer zwischen dem 25. und dem 34. Lebensjahr seine Sucht erfolgreich
bekämpft, erreicht statistisch gesehen die Lebenserwartung eines
Nichtrauchers. Doch die positiven Effekte eines Rauchstopps
setzen schon viel früher ein: Schon nach 20 Minuten sinken Puls
und Blutdruck auf normale Werte. Nach 24 Stunden geht das Risiko,
einen Herzinfarkt zu erleiden, leicht zurück. Nach zwei Tagen
beginnen die Nervenzellen, sich zu regenerieren; Geruchs- und
Geschmacksorgane verfeinern sich. Und schon nach fünf Jahren
Tabakabstinenz verringert sich das Risiko, an Lungenkrebs zu
sterben, fast um die Hälfte.
Hintergrundinformation zu Studie 1
Mit Hilfe der funktionellen Kernspintomographie wollen die Forscher
der Sektion Systemische Neurowissenschaften an der Klinik und
Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums
untersuchen, welche neuronalen Systeme im menschlichen Gehirn
die Appetit regulierenden Wirkungen des Rauchens vermitteln.
Vermutlich spielen Veränderungen von Hormonsystemen eine Rolle.
Endokrinologische Studien zeigen, dass Rauchen und Nikotinzufuhr,
sowie Abstinenz wichtige Auswirkungen auf die Appetit regulierenden
Peptidhaushalte - beispielsweise von Leptin, Insulin und Ghrelin
- haben. Das könnte die Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp
erklären. Wissenschaftler nehmen an, dass Leptin und Insulin
die Fettspeicher des Körpers überwachen und Ghrelin den Energiebedarf
des Körpers anzeigt. Nikotinzufuhr beeinflusst alle drei Hormone
ebenso wie ein Rauchstopp. Während der Studie soll bei den Probanden
deshalb die Konzentration dieser Peptide mittels Blutuntersuchungen
gemessen werden. Außerdem ist bekannt, dass Informationen über
Hunger und Sättigung im Hypothalamus verarbeitet werden, eine
Region im Zentrum des Gehirns. Auch das Stirnhirn ist in die
aktive Kontrolle des Essverhaltens involviert. Kaum bekannt
ist aber, wie diese Gehirnstrukturen zusammenarbeiten. Auch
dies soll in der aktuellen Studie erforscht werden. Dazu setzten
die Wissenschaftler die funktionelle Kernspintomographie ein,
mit deren Aufnahmen sich die ständig verändernden Aktivitäten
einzelner Hirnregionen gut feststellen lassen.
Hintergrundinformation zu Studie 2
In der Erforschung des Rückfalls nach einem Rauchstopp sind
die Prozesse der Informationsverarbeitung von besonderem Interesse.
Ganz besonderes Augenmerk verdient die erhöhte Aufmerksamkeit
auf substanzbezogene Reize in der Umgebung, die Raucher oftmals
aufweisen. Die Fragestellung ob eine verzerrte Aufmerksamkeit
mit einem erhöhten Risiko für einen Rückfall in Zusammenhang
steht, wird momentan von den Mitarbeitern der Professur für
Suchtforschung am Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie
untersucht. Die Rolle des Rauchstopps auf die Aufmerksamkeitsverzerrung
sowie der Zusammenhang mit dem verspürten Verlangen nach einer
Zigarette sollen ebenfalls untersucht werden, um zu erklären
wie es zu einem Rückfall kommt.
Informationen für Journalisten: Claudia Kufeld, Tel. 0351 463-39826,
E-Mail: kufeld@psychologie.tu-dresden.de